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Mehr Liquidität in der Corona-Krise

Rechtsanwalt Christian Solmecke erklärt, welche finanziellen Mittel sich Gründer*innen jetzt sichern können.


1. Finanzierungsprogramme oder Darlehen beantragen

"Es gibt jetzt überall in Deutschland die Möglichkeit, Zuschüsse für Existenzgründungen zu beantragen, die man nicht zurückzahlen muss. Diese einmaligen Zuschüsse liegen zwischen 9000 Euro und 15.000 Euro und können mit  einem zweiseitigen Online-Formular  einfach und schnell beantragt werden. Darüber hinaus sollten Gründer bei ihrer Bank prüfen, ob eines der von der KfW geförderten Förderprogramme für sie geeignet ist. Dabei gewährt die Bank einen Kredit mit einem Zinssatz von 1-2% pro Jahr und die KfW stellt eine Bürgschaft. Unternehmer sollten auf jeden Fall mit einem Bankberater sprechen und eine Liquiditäts- und Umsatzplanung vorbereiten sowie einen  Plan bereithalten, der zeigt, wie sich die Krise auf ihre Firma auswirken wird."


2. Umsatzsteuer aufschieben

"Die Finanzämter werden angewiesen, die Steuerschulden zinslos zu stunden. Am besten so bald wie möglich einen entsprechenden Antrag stellen. Die Umsatzsteuer fällt bei vielen Existenzgründungen an und je später ein Gründer die Umsatzsteuer zahlen muss, desto länger kann er/sie durchhalten und von der anziehenden Konjunktur nach dem Ende der Krise profitieren. Wer bereits absehen kann, dass das  Jahresergebnis unter Corona  leiden wird, kann die Steuervorauszahlungen direkt reduzieren und damit den Cashflow verbessern. Die  wenigen Startups, die im vergangenen Jahr einen Gewinn erzielten, können in der Regel die Gewerbesteuer aufschieben."


3. Sozialversicherungsbeiträge aufschieben

"Es wird erwartet, dass Möglichkeiten geschaffen werden, die Sozialversicherungsbeiträge aufzuschieben. Wenn möglich, sollten Gründer*innen diese Gelegenheit nutzen. Dazu am besten mit der Krankenkasse in Verbindung setzen, um dieses Thema zu besprechen. Alles, was hilft, so lange wie möglich flüssig zu bleiben, sollte genutzt werden."


4. Kurzarbeit anmelden

"Bei Arbeitsmangel können Firmen die Arbeitszeiten der Mitarbeiter vorübergehend reduzieren oder absagen. Das Unternehmen zahlt nur einen Teil des Gehalts, der Rest wird ganz oder teilweise vom Staat ausgeglichen (Die Agentur für Arbeit erstattet 60% des ausgefallenen Nettoentgeltes. Bei Haushalten mit mindestens einem Kind erhöht sich der Betrag auf 67%). So können Firmen ihre Mitarbeiter behalten, doch die Angestellten müssen auch tatsächlich weniger arbeiten. Es geht also nicht darum, für eine Vollzeit-Ressource weniger zu bezahlen."


5. Mietzahlungen aussetzen

"Kein Aprilscherz: Ab dem 1. April besteht die Möglichkeit, die Miete fürs Büro nicht mehr zu zahlen. Der Vermieter kann deshalb nicht kündigen. Die Regelung ist bis Ende Juni gültig, kann aber bei anhaltender Krise verlängert werden. Aber Vorsicht: die Miete muss später bezahlt werden innerhalb von zwei Jahren. Ab Juli muss der reguläre Mietzins wieder regelmäßig bezahlt werden. Dies gilt für alle Arten von Miete, z.B. auch für gemietete Software."


6. Verweigerung der Zahlung von Dauerschuldverhältnissen

"Auch alle anderen Arten von Dauerschuldverhältnissen müssen derzeit nicht bezahlt werden. Bis Ende Juni besteht die Möglichkeit, die Zahlung der Strom-, Telefon- oder Wasserrechnung zu verweigern. Aber auch hier müssen die Beträge später bezahlt werden."


7. Vorläufig keine Rückzahlung des Darlehens

"Für Verbraucher besteht derzeit die Möglichkeit, die Rückzahlung von Krediten bis Ende Juni zu verweigern. Danach müssen die ausstehenden Raten nicht sofort zurückgezahlt werden. Stattdessen wird die Laufzeit des Kredits um 3 Monate verlängert, es sei denn, es ist etwas anderes mit dem Kreditgeber vereinbart. Unklar ist, ob diese Regelung auch für Existenzgründer gelten soll. Das neue Gesetz ist jedoch so konzipiert, dass die Regeln für Existenzgründer schnell angepasst werden können. Man sollte daher die Augen offen halten und sich über die neuesten Möglichkeiten informieren. Derzeit gibt es hier fast täglich neue Entwicklungen."


Der Rechtsanwalt für Medien und Internetrecht ist Gesellschafter der Kanzlei Wilde Beuger Solmecke in Köln. Er studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Bochum und Köln und arbeitete bis 2004 als freier Journalist.

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